Hasengold

Durch die graue Nebelsoße schieben sich die Autos wie jeden Tag vorbei am Riesensupermarkt- kurz hinter der Wiege des BVB. Leicht golden schimmert ein „Riesenkalb“ vom Dach eines Parkdecks herüber. Befestigt an Drahtseilen. Aschermittwoch ist heute: Katerstimmung in den Kneipen. Mahnende Worte in den Kirchen. Bedenke, Mensch, du bist Staub. Asche zu Asche…

Die Goldfolie vom Dach schimmert durch alles Trübe dieses Tages. Gestern war Konfetti, heute bist Du aus Asche- und morgen kommt der: Goldhase. Er sitzt schon in den Startlöchern- bald in Deinem Einkaufswagen und- wenn Du ihn 40 Tage lang gut versteckst, am Ostermorgen im Nest Deiner Kinder und Enkelkinder. Warum sollten wir trauern, warum verzichten, warum unser Leben ändern? Konsum ist leichter als ein Fastengelübde. Osterhasengold als sichere Währung für ein kleines Glück. Wir geben Materie und bekommen ein kleines Wunder.

Dieses hier ist allerdings nicht neu. Derselbe plumpe Hase saß schon letztes Jahr hier, da bin ich mir sicher. Es wundert mich, dass das Stadtmarketing die Idee noch nicht aufgegriffen hat- es böten sich 4 bunte Rieseneier an jeder Ecke des Hafenamt-Turmes an. Oder ein noch größeres Hasenexemplar auf dem Sockel des goldenen U. Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal. Weihnachten kann jeder- vermarkten. Ostern üben wir noch.

3 Antworten auf „Hasengold“

  1. Interessanter Blog ! Gedankenspiele text- und rechtschreibsicher (!) formuliert regen zum Nachdenken an.
    Frühling lässt durch die bildhafte Sprache sein blaues Band in Leichtigkeit flattern !
    Weiter so 🙂

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